Die Benzinpreise dürften schon bald günstiger werden, da die Industriestaaten aufgrund der gesunkenen Vorräte die Notfallreserven anzapfen. Die libyschen Förderausfälle sollen damit ausgeglichen werden. Aus den staatlichen Tanklagern, auch aus Deutschland, fließen insgesamt 60 Millionen Barrel auf den freien Markt. Weltweit kamen dadurch die Ölpreise bereits mächtig ins Rutschen.
Die französische Regierung hat die Tankstellenbetreiber aufgefordert, den erwarteten Rückgang der Ölpreise an die Verbraucher unverzüglich weiterzugeben, ließ der Energieminister mitteilen.Im Nachmittagshandel sank der Grundpreis für 1 Barrel Rohöl der Sorte Brent um volle 7 Dollar hinunter auf 107 Dollar und ein Fass der Sorte West Texas Intermediate kostete weniger als 91 Dollar (etwa 5 Dollar weniger als vorher). Die Sorge ist, dass der momentan anhaltende Aufschwung durch die hohen Ölpreise wieder abgewürgt wird. Damit dies nicht passiert, hat auch Deutschland erstmalig seit 2005 die strategische Ölreserve angezapft. Auf dem freien Markt verkauft Berlin 4,2 Millionen Barrel an Rohöl oder Ölprodukten.
Die Menge, die jetzt freigegeben wurde, ist jedoch lediglich ein Bruchteil deutscher Notreserven. 4,1 Milliarden Barrel lagern weltweit in den Tanks, davon halten 1,6 Milliarden Barrel Staaten für die Notfälle vor. Mit dieser Menge würden die ölimportierenden Länder ohne frische Lieferungen 146 Tage auskommen.
Die libyschen Ausfälle seien stärker als angenommen, wurde mitgeteilt. Die im Sommer zudem üblicherweise ansteigende Nachfrage könnte in den Ölraffinerien zum Engpass führen. 28 Länder, auch Deutschland zählt hierzu, haben sich zusammengeschlossen, um ihre Versorgung sicherzustellen. Die USA stellen mit 30 Millionen Barrel den größten Teil bereit und zapfen dazu ebenso ihre strategischen Ölreserven an. Derzeit seien die Reserven auf historischem Höchststand (727 Millionen Barrel). In den nächsten 30 Tagen gelangt das Öl auf den Markt. Günstiges Öl könnte das Wachstum ankurbeln, hofft man.