Milliarden aus Deutschland mischen den Kaffeemarkt auf

Kaffee ist eines der beliebtesten Getränke weltweit. Das ist nichts Neues. Seit einigen Jahren schmeckt Kaffee aber nicht nur gut, sondern ist darüber hinaus auch noch cool und trendy. In Maßen genossen, gilt er inzwischen sogar als gesund – der Imagewandel könnte größer nicht sein. Kaffee ist nicht nur ein Getränk, Kaffee ist Life style. Capuccino, Cafe latte und Latte Macchiato – auf den Straßen schlendern Teenies mit Coffee-To-Go-Bechern in allen Variationen und in den wildesten Geschmackrichtungen. Auf der Strecke geblieben ist dabei der gute alte Filterkaffee. Stattdessen gehören leistungsfähige Kaffeemaschinen fast schon zur Grundausstattung eines ambitionierten Haushalts. Pads und Mischungen in allen Geschmacksrichtungen und mit allen Aromen beherrschen den Markt.

Aktuelle Marktprognosen locken Investoren

Kaffee boomt – und attraktive Märkte locken Investoren. Die Übernahme des niederländischen Kafferösters Master Blenders (DEMB) durch JAB, der Finanzholding der deutschen Miiliardärsfamilie Reimann, hat jetzt ein regelrechtes Marktbeben ausgelöst. DEMB gilt als Erfinder des ersten Kaffeepadsystems, das unter dem Label “Senseo” auf den Markt gebracht wurde. Seit der Markteinführung im Jahr 2002 hat Senseo eine fast beispiellosen Erfolgsgeschichte geschrieben, weltweit wurden über 33 Millionen Geräte verkauft. Master Blenders beschäftigt weltweit über 7.500 Mitarbeiter und erzielte 2012 einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro.

Die Reimanns, die im zurückliegenden Jahr mit “Caribou Coffee” und “Peels Coffee & Tea” für insgesamt 1,3 Milliarden Euro bereits zwei große amerikanische Anbieter übernommen haben, sorgen mit dem Kauf von DEMB für neue Kräfteverhältnisse im Kaffeemarkt. Spätestens seit der Übernahme durch JAB ist klar: Der bisherige Branchenprimus Nestle muss sich warm anziehen.

Deutsche Milliadärsfamilie macht Nestle Konkurrenz

Familie Reimann? Nie gehört. Und doch gehören die Reimanns zu den reichsten Familien in Deutschland und sind einer der großen Player in den internationalen Märkten. Die Reimanns – echter deutscher Geldadel und im Ranking der reichsten Deutschen auf Platz 4 – mischen still und leise, aber kräftig mit, wenn sich Expansionsmöglichkeiten in zukunftsorientierten Märkten bieten. Was im Jahr 1851 mit einer kleinen – von Ludwig Reimann und Johann Adam Benckiser gegründeten – Chemiefabrik in Ludwigshafen begann, ist zu einer internationalen Erfolgsgeschichte geworden. Unter dem Dach der JAB Finanzholding bildet der weltweit agierende Reinigungsmittelkonzern Reckitt Benckiser (Calgon, Kukident) den Kern der Reimannschen Aktivitäten. Familie Reimann ist Hauptaktionär, hält knapp 15 % der Anteile und hat auf diesem Weg auch einen Fuß in der Tür zum benachbarten Kosmetikmarkt. Durch gezielte Investitionen hat JAB seine internationale Präsenz verstärkt: Bereits 1996 wurde der renommierte Parfümhersteller Coty angekauft, 2011 dann der Schuhtrendsetter Jimmy Choo (den auch Carrie Bradshaw zu schätzen weiß ,-). Ein weiterer Coup – die Übernahme des Kosmetikkonzerns Avon durch Coty – scheiterte im vergangenen Jahr nur knapp.

Die Reimanns haben ihr Gespür für Trends und wirtschaftliche Entwicklungen in den vergangenen Jahren bereits wiederholt unter Beweis gestellt. Die dahinter stehende unternehmerische Strategie scheint eindeutig: Trends frühzeitig erkennen, in Märkte einsteigen, die im Aufwind sind und durch Übernahme gut strukturierter, erfolgreicher Unternehmen den Kampf um die Marktführerschaft in Angriff nehmen.

Zeig mir, was du trinkst und ich sag dir, wer du bist

Für JAB ist die Übernahme von DEMB ein konsequenter Schritt, um noch fester Tritt im heißumkämpften Kaffee- und Teemarkt zu fassen. Die aktuelle Übernahme von Master Blenders wird von Experten vor allem als eine Kampfansage an den Marktführer Nestle und dessen Nespresso-System interpretiert. Senseo soll hier ausdrücklich als günstigere und zudem attraktivere Alternative positioniert werden. Und auch der Markt für trendige Teeangebote scheint noch längst nicht ausgeschöpft, im Windschatten des Kaffees hat auch der Tee längst angefangen zu ziehen. Vielleicht werden ja demnächst Teebeutel und Teefilter durch Teepads ersetzt? Erste Teenies mit Tea-Bubble-To-Go wurden bereits in den Straßen gesichtet.

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Veröffentlicht in Allgemein am 18.04.2013