Steigende Einkaufspreise und niedrige Gewinnmargen: Lebensmittel werden teurer

Lebensmittel werden derzeit im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 40 Prozent teurer. Verbraucher könnten vermuten, dass die Preissteigerung bei den Lebensmitteln in erster Linie auf Gewinne der Supermärkte oder Nahrungsmittelhersteller zurückzuführen sind.  Doch demgegenüber argumentiert der Handel mit deutlichen Preissteigerungen bei den Rohstoffen, Zutaten und Vorprodukten.

Am Beispiel Bohnenkaffee, der im Endverkaufspreis bis zu 17,8 % teurer geworden ist, lässt sich dies ebenso verdeutlichen wie am Beispiel Zucker, der in vielen Lebensmitteln als Vorprodukt enthalten ist. Die derzeitigen Notierungen an den Börsen ergeben: Kostete die gehandelte Einheit vor drei Jahren noch 11,20 US Cent, so ist der Preis mittlerweile auf über 21,80 US Cent getrieben. Eine Preissteigerung von über 90 % binnen drei Jahren und allein binnen des letzten Jahres von über 40 %. Ähnliche Preissteigerungen lassen sich zwischenzeitlich auch bei Weizen und Kaffee finden.

Die steigenden Nahrungsmittelpreise lassen sich aber noch auf einen weiteren Grund zurückführen. Dies wird offensichtlich, wenn man die Bilanz eines beliebigen Nahrungsmittelherstellers gründlich liest und mit der Bilanz von Unternehmen anderer Branchen vergleicht. Die erzielten Gewinnspannen sind weit unter denen, die mancher Luxuswarenhersteller oder Dienstleister hat, nämlich im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Umsatzrenditen von 1 – 3 % sind keine Seltenheit, weshalb in den Nahrungsmittelpreisen nicht viel “Luft” oder Gewinn enthalten ist. Jede Preiserhöhung oder Kostenerhöhung schlägt sich fast direkt in den Endverkaufspreisen nieder.

Hinzu kommen die natürlichen Schwankungen der Produktionsmengen. Beispielsweise mussten bei der Kaffeeernte beträchtliche Verluste durch einen Vulkanausbruch auf Sumatra oder ungünstige Wetterbindungen in Kuba hingenommen werden. Auch dies schlägt direkt auf die Nahrungsmittelpreise durch, denn insbesondere für den günstigen “Discounter-Kaffee” steht nicht mehr genug Rohkaffee zur Verfügung. Dadurch steigt das gesamte Preisniveau beginnend beim 500 g Standardpaket des Discounters bis hin zu den edlen Kaffeepads oder -kapseln von Markenanbietern.

Die Steigerung der Nahrungsmittelpreise ist allerdings kein Grund zu übertriebener Sorge, denn Lebensmittel in Deutschland sind ohnehin vergleichsweise günstig zu haben. Dennoch gibt es ein Gegenmittel: Insbesondere bei Produkten die mit einem neuem Verpackungsdesign aufwarten, sollten Verbraucher darauf achten, ob sich die Menge des Inhaltes verändert hat und so schleichende Preiserhöhungen rechtzeitig erkennen.

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Veröffentlicht in Wirtschaft-News am 14.05.2011