EZB-Kaufprogramm: Die Börse jubelt

Börsenkurs

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Kaum hatte EZB-Chef Mario Draghi am letzten Donnerstag Einzelheiten zu dem geplanten Anleihe-Aufkaufprogramm seines Hauses bekannt gegeben, sprang der DAX weiter in die Höhe und erreichte am gleichen Tag mit über 10.400 Punkten einen neuen Spitzenwert. Der Beginn einer neuen Kursrallye?

Erwartungen der Börse voll erfüllt

Bereits in den Tagen vor der Entscheidung hatte der DAX immer neue Höchststände erklommen. Die Börsianer spekulierten bereits seit Längerem auf eine neue Geldschwemme durch die EZB und lagen damit richtig. Von dem angekündigten Aufkauf von Staatsanleihen in Höhe von über 60 Milliarden Euro monatlich erhofft man sich jetzt grundsätzlich positive Impulse für die Unternehmen und die Wirtschaft im Euro-Raum. Die sind angesichts der anhaltenden Konjunktur-Schwäche in etlichen europäischen Ländern auch dringend nötig.

Die Rechnung scheint dabei einfach: mit dem billigen Geld wird es für Wirtschaft und Verbraucher tendenziell noch leichter, sich zu finanzieren. Ein schwacher Euro begünstigt die Exportchancen der Industrie. Und da derzeit keine Aussicht auf steigende Zinsen besteht, strömt viel freie Liquidität an die Börse. Das alles sind gute Voraussetzungen für steigende Kurse. Von daher könnten auch die nächsten Wochen noch weitere Höchststände beim DAX zeigen. Auch andere Börsen ließen sich von der Euphorie anstecken. So reagierten die US-Börsen ebenso positiv wie der japanische Nikkei-Index.

Strohfeuer oder nachhaltige Entwicklung

Ob es sich bei den Kurs-Freudensprüngen um ein kurzes Strohfeuer handelt oder ein Signal für eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung, muss sich allerdings erst noch zeigen. Denn die Anleihekäufe haben auch ihre Schattenseiten. Der Euro wird in ihrer Folge zu einer immer weicheren Währung. Er gab am Donnerstag erneut gegenüber dem US-Dollar und anderen wichtigen Währungen nach. Importe werden dadurch tendenziell teurer. Das könnte sich vor allem bei Rohstoffen, die für die Gütererzeugung benötigt werden, negativ bemerkbar machen. Im Augenblick erscheint dieses Risiko – zum Beispiel durch den niedrigen Ölpreis – zwar überschaubar, das muss aber nicht so bleiben.

Und noch eine Gefahr bewirkt die intensivierte Politik des billigen Geldes durch die EZB. Das eigentliche Hindernis für eine positive Konjunkturentwicklung im Euro-Raum sind versäumte Struktur-Reformen in wichtigen Mitgliedsstaaten, allen voran Frankreich. Mancher Beobachter befürchtet, dass die weit geöffneten Geldschleusen der EZB den ohnehin bescheidenen Reformeifer mancher Regierung vollends zum Erliegen bringen könnten.

Zweifel sind vorhanden

Nicht wenige Experten sind daher auch skeptisch, ob das Anleihe-Kaufprogramm überhaupt einen nachhaltigen Effekt erzielen wird. Mit einem angestrebten Gesamtvolumen von über 1,1 Billionen Euro ist die EZB gewillt, das Programm über mehr als eineinhalb Jahre zu fahren. Sollte sich in diesem Zeitraum keine spürbare Verbesserung der Lage zeigen, müsste die Maßnahme als gescheitert angesehen werden. Die EZB hätte dann ihre letzte Trumpfkarte verspielt. So lange wird die Börse nicht warten. Schon in den nächsten Wochen und Monaten wird sich erweisen, ob die gute Stimmung anhält oder Katzenjammer eintritt.

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Veröffentlicht in Wirtschaft-News am 30.01.2015