Fachkräftemangel – Qualifikation reicht oftmals nicht aus

Der deutschen Wirtschaft geht es momentan gut. Die Krise, die noch in anderen europäischen Ländern, den USA und Japan seine Kreise zieht, ist an Deutschland fast spurlos vorübergezogen. Der Stand der Beschäftigung war noch nie so hoch wie jetzt und auch die Arbeitslosenzahl -egal wie man rechnet – ist die geringste seit der Wiedervereinigung. Natürlich gibt es ein paar Schattenseiten. So boomt vor allem die Zeitarbeit und viele Menschen arbeiten in geringfügig entlohnten Jobs. Auch die Inflation zieht momentan kräftig an. Dennoch steht Deutschland bestens da und die meisten Unternehmer blicken optimistisch in die Zukunft. Den Aufschwung haben wir besonders den exportorientierten Unternehmen und dem anziehenden Handwerk zu verdanken.

Nach einer aktuellen Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) klagen aber viele Unternehmen über einen akuten Fachkräftemangel. Die Wirtschaft könnte also mehr leisten, als sie aktuell schafft, wenn mehr qualifizierte Bewerber zur Verfügung stünden. Gerade in in Baden-Württemberg und Bayern, in denen die Vollbeschäftigung in Sichtweite ist, suchen viele Unternehmen händeringend nach gut ausgebildetem Personal. Auch die Arbeitnehmerfreizügigkeit der ehemaligen Ostblockstaaten, die der EU angehören, konnte daran noch nichts ändern. Seit dem 1. Mai 2011 können beispielsweise polnische, slowakische und tschechische Arbeitnehmer zu den selben Bedingungen wie heimische Arbeitnehmer hierzulande arbeiten. Doch die Arbeitnehmerfreizügigkeit lockt anscheinend vor allem gering qualifizierte Arbeiter an. Die Hochqualifizierten fühlen sich in den USA oder Großbritannien schon seit Jahren mehr anerkannt und stehen somit weder den Oststaaten noch Deutschland zur Verfügung.

Laut der Umfrage wollen besonders Bauunternehmen in den nächsten Monaten Fachkräfte einstellen. In Wirtschaftszweigen, die vornehmlich für den lukrativen Export produzieren, z.B. Elektrotechnik und Maschinenbau, sind teilweise sogar mehr offene Stellen als Arbeitssuchende vorhanden. Teilweise sind die Unternehmen durch mangelnde Ausbildung in den letzten Jahren selbst Schuld an der Situation. Leider wurden in Zeiten der Krise auch erfahrene und hochqualifizierte Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Diese würden jetzt dringend gebraucht. Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, muss das Handwerk den demographischen Wandel als gegeben hinnehmen und auch im Interesse der Rentenkasse älteren Bewerbern eine Chance geben. Weitere Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel sind bessere Vorbereitung auf den Beruf in der Schule und Anerkennung von ausländischen Berufs- und Studienabschlüssen.