Sonderurlaub bei Umzug – Wie viel Umzugsurlaub kann ich kriegen?

Bildquelle: © baranq / Fotolia.com

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Können Arbeitnehmer im Falle eines Umzugs Sonderurlaub verlangen? – dieser Frage sind wir nachgegangen. Ob Arbeitnehmern zusätzlich freie Tage gewährt werden und was der Gesetzgeber vorschreibt, können Sie nachfolgend lesen.

Gibt es einen Anspruch auf Sonderurlaub?

Viele Missverständnisse ranken sich um das für Arbeitnehmer so wichtige Thema Sonderurlaub bei Umzug, denn weder im Bundesurlaubsgesetz noch in einem anderen deutschen Gesetz ist ein Recht auf Anspruch auf diesen Sonderurlaub verankert. Doch in Tarifverträgen und in Betriebsvereinbarungen kann dieser Anspruch festgeschrieben sein.

Mit dem Begriff Sonderurlaub werden freie Tage bezeichnet, die über den normalen Urlaubsanspruch hinaus vom Arbeitgeber gewährt werden. Doch im Bundesurlaubsgesetz existiert dieser Begriff nicht. Allein in § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches findet sich eine Umschreibung, die eindeutig auf die Existenz von Sonderurlaub im Arbeitsrecht hinweist. Dort steht, dass ein Arbeitnehmer, der für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird, des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig wird.

Diese etwas altmodische und umständliche Formulierung ist neben Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen die gesetzliche Grundlage für einen Anspruch auf Sonderurlaub. Zu diesen Gründen können neben der eigenen Hochzeit und den Todesfällen naher Angehöriger auch die Geburt eines Kindes sowie ein Umzug zählen. Insbesondere bei einem betrieblich bedingten Umzug oder einem Umzug, der nur während der Arbeitszeit stattfinden kann, entsteht ein durchsetzbarer Anspruch auf Sonderurlaub. Dieser ist auch unabhängig davon, ob der Wohnungswechsel mit professioneller Hilfe von einem Umzugsunternehmen oder mit Hilfe von Freunden oder Verwandten bewältigt wird.

Sonderurlaubstage bei einem Umzug

Vor der Stellung des Antrags auf Sonderurlaub für den kommenden Umzug sollten Sie auf jeden Fall einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag, die Betriebsvereinbarung und den Tarifvertrag werfen. Finden Sie dort einen schriftlich zugesicherten Anspruch, können Sie Ihren Antrag stellen. Der Tag des Umzugs sollte aber wie der normale Urlaub mit Ihrem Vorgesetzten, wegen der innerbetrieblichen Planung, abgestimmt werden. Ergeben sich aus den Verträgen keine Anhaltspunkte für den begehrten Sonderurlaub, kann auch ein Anspruch aus dem Allgemeinen Gleichheitsgrundsatz hergeleitet werden. Sollte es Kollegen geben, denen bereits Sonderurlaub für einen privaten Umzug gewährt worden ist, dürfen auch Sie auf dieser Gewährung bestehen. Auf jeden Fall haben Sie immer einen Anspruch auf Sonderurlaub bei einem betrieblich bedingten Umzug. Liegt der neue Wohnort sehr weit vom alten Wohnort entfernt bzw. für einen Umzug ins Ausland werden entsprechend mehr Tage gewährt.

Unser Tipp: Sprechen Sie Ihren Wunsch auf Sonderurlaub für Ihren Umzug in einer ruhigen Minute mit Ihrem Vorgesetzten an. Erläutern Sie ihm die Vorteile Ihres Umzugs für das Unternehmen und sprechen Sie auch Ihre private Situation an.

Sonderurlaub bei Umzug im Tarifvertrag

Je nach Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung kann neben dem rechtlichen Anspruch auf Sonderurlaub bei Umzug auch ein vertraglich zugesicherter Anspruch auf diesen Urlaub bestehen. Oft sind Betriebsvereinbarungen sogar großzügiger formuliert als ein Tarifvertrag, sodass in einigen Unternehmen bis zu drei Tage Sonderurlaub im Jahr beansprucht werden können. Ist die Regelung im Tarifvertrag günstiger als in der Betriebsvereinbarung, gilt auf jeden Fall der tarifvertragliche Anspruch. Einige tarifvertragliche Vereinbarungen sehen für jeden Anlass bis zu zwei Tage Sonderurlaub im Jahr vor.

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Veröffentlicht in Allgemein am 05.04.2017