Tarifvertrag für Metallindustrie: 4,3 Prozent mehr Gehalt

Weite Teile der Bevölkerung sehen die Lohnentwicklungen und Ergebnisse von Tarifverhandlungen als wesentlichen Indikator für den Gesamtwohlstand. Einer der größten Industriesektoren in Deutschland ist das metallverarbeitende Gewerbe. Hier arbeiten bundesweit rund 3,6 Millionen Beschäftigte. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die aktuellen Tarifverhandlungen in diesem Sektor auf breites Interesse stoßen.
Im Vorfeld der Verhandlungen hatten beide Parteien ihre Standpunkte klar gemacht. So stand der Forderung der Arbeitnehmer nach einer Lohnerhöhung von 6,5% ein Angebot der Arbeitgeber in Höhe von 4% gegenüber. Auf den ersten Blick scheint die vereinbarte Lohnerhöhung von 4,3% mit einer Laufzeit von 13 Monaten also eher Arbeitgeberfreundlich. Auf der Arbeitnehmerseite wird zusätzlich kritisiert, dass diese Erhöhung durch die Inflation noch weiter geschmälert wird.

Doch darf hier nicht vergessen werden, dass auch der Arbeitsmarkt den üblichen Marktgesetzen folgt. Angebot und Nachfrage werden hier über den Preis in Form von Lohn oder Gehalt reguliert. Die Preisspirale einer permanenten Erhöhung von Lohn und Gehalt würde eine zusätzliche Inflation entfachen und somit die angestrebte Verstärkung der Kaufkraft der Arbeitnehmer abschwächen. Zudem könnte der Wirtschaftsstandort Deutschland durch die gestiegenen Preise für Arbeit an Attraktivität verlieren. Die zunehmende Barrierefreiheit der Europäischen Gemeinschaft ermöglicht hier einen zunehmenden Konkurrenzdruck für die Arbeitnehmer.

Somit ist nicht jede Forderung nach mehr Lohn und Gehalt, so sinnvoll sie auch erscheinen mag, auf lange Sicht wirtschaftlich sinnvoll. Weitaus sinnvoller erscheinen hier die Absprachen bezüglich der unbefristeten Übernahme von Auszubildenden und Leiharbeitern nach spätestens 24 Monaten. Hier werden die Positionen der Mitarbeiter gestärkt und die Chancen für eine Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis erhöht.

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Veröffentlicht in Wirtschaft-News am 20.05.2012